Ich weiß nicht, ob ein wirklich (Fabrik-) zuckerfreies Leben überhaupt möglich ist. Wahrscheinlich nur dann, wenn man wirklich sämtliche Lebensmittel unzubereitet und unbehandelt einkauft. Mir geht es hier nicht um eine kohlenhydratfreie Ernährung, denn Kohlenhydrate, wie man sie z.B. in Getreide findet, sind für den Körper als schnelle Energielieferanten wichtig. Auch werden alle Kohlenhydrate im Körper bis zur Stufe vom Traubenzucker abgebaut. Es soll also in der Tat nicht um die totale Vermeidung von Zucker gehen (denn dann dürfte ich auch kein Getreide oder keine Kartoffeln mehr essen), und wahrscheinlich wäre das auch extrem ungesund, sondern mir geht es hier um den "Fabrikzucker", von dem ich meine, dass er für viele ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten verantwortlich zu machen ist.
Als Jugendliche durfte ich mal ca 2 Jahre lang keine Sachen essen, die mit normalem Haushaltszucker gesüßt waren, es sei denn, der Zucker kam erst an 5. Stelle (anfangs sogar nur an 8. Stelle), so dass also mindestens 4 andere Zutaten in größeren Mengen vorhanden waren. Erstaunlicherweise fiel mir das damals gar nicht so schwer, was sicherlich zum einen auch daran lag, dass meine Mutter die Ernährung der Familie darauf abgestimmt hat und ich nicht das Gefühl hatte, nichts mehr essen zu dürfen und Verzicht üben zu müssen. Die Folge war, dass mein Blutzuckerspiegel sich normalisierte und ich zudem einen wirklich sehr gute Figur hatte (für meine Mutter war es damals schon zu wenig und es war auch echt grenzwertig...).
Ich habe in der Fastenzeit vor Ostern mal ausprobiert, auf Fabrikzucker zu verzichten. Als einiziges natürliches Süßungsmittel habe ich mir Honig erlaubt (und zwar kaltgeschleuderten, direkt vom Imker). Das war gar nicht so einfach, denn in ganz vielen Lebensmitteln befindet sich Zucker (z.B. auch in Wurst oder Senf!). Ich habe festgestellt, dass Zucker zumindest mich süchtig macht. Angeblich liegt das daran, dass Zucker den Blutzuckerspiegel im Körper stark ansteigen lässt, was eine erhöhte Insulinausschüttung zur Folge hat. Der Blutzuckerspiegel sinkt dann wieder und das signalisiert dem Körper, dass er quasi "Nachschub" braucht; also essen wir wieder etwas Süßes usw.
Was ist überhaupt Fabrikzucker? Eigentlich jedes Süßungsmittel, dass in irgendeiner Weise chemisch Weise bearbeitet wurde, im Grunde also alles außer Honig, wenn dieser nicht behandelt wurde. Dazu gehören also auch "isolierter" Fruchtzucker und sogar Ahornsirup, was mich echt erstaunt hat. Dass Ahornsirup nicht direk vom Baum in die Flasche abgefüllt wird, war mir schon klar, aber dass er chemisch aufbereitet (oder besser abgewertet) wird, war mir so nicht bewusst! Zucker, der sich z.B. natürlich in Obst befindet, ist natürlicher Fruchtzucker und daher kein Fabrikzucker. Fruchtzucker (kann man so kaufen oder auch in Diabetikerprodukten) ist aber "isolierter" Fruchtzucker und eigentlich sogar für Diabetiker ungeeignet. Als die Industrie damals anfing "süße" Produkte für Diabetiker herzustellen, wusste man das nur noch nicht (oder wollte das nicht wissen, denn damit konnte man ja Profit machen...) Selbst "brauner" Rohrzucker ist Fabrikzucker und nicht wirklich gesünder als "weißer" Fabrikzucker. Brauner Rohrzucker ist einfach nur ungereinigter, weshalb er die braune Farbe hat. Aber auch dieser ist chemisch aufbereitet (kann schon sein, dass er noch ein paar mehr Mineralstoffe hat)! Und was ist mit Roh-Rohrzucker? Leider auch Fabrikzucker! Angeblich haben Untersuchungen ergeben, dass der Anteil an Mineralien und Vitaminen in Rohzucker minimal höher ist als im normalen Haushaltszucker, so dass er zu vernachlässigen ist.
Woher kann man wissen, ob in einem Produkt Fabrikzucker (also Zucker, der in irgendeiner Weise chemisch aufbereitet wurde) enthalten ist? Fabrikzucker ist gut "getarnt" . Unter folgenden Namen gibt er sich aus: Glucose (-sirup), Raffinade, Fruchtzucker (Fruktose), Dextrose (in Traubenzucker- Päckchen; wird als "gesund" bei sportlichen Aktivitäten angespriesen, was echt ein Witz ist!), Invertzucker, Gelierzucker, Puderzucker, Kandis, Maltose, Laktose, Saccharose, Malasse, Milchzucker, Rübensirup, Ahornsirup, Vanilinzucker... Also wenn auf der Inhaltsangabe der Packung einer dieser Namen erscheint, ist Fabrikzucker im Spiel! Dann gibt es natürlich auch noch die ganzen künstlichen Süßungsmittel. Darüber will ich mich hier aber gar nicht auslassen, denn es ist wohl klar, dass künstliche Süßungsmittel nicht zu einem einfachen Lebensstil passen. Künstliche Süßungsmittel (wie z.B. Cyclamat) sind auf der Packungsbeilage zumindest bisher, als solche auch gekennzeichnet.
Uns was ist nun so schlimm an Fabrikzucker? Das Zucker ungesund ist, wissen wohl die meisten (macht dick, Karies, Herzkreislauferkrankungen etc.). Das schlimme ist eigentlich, dass die Industrie damit eine Menge Profit macht (Lang lebe die Wirtschaft!) und der Körper diesen Zucker überhaupt nicht braucht und er auch noch schädlich ist!!! Warum essen wir stattdessen nicht einfach das, was die Natur uns sowieso schon schenkt??
Zum Schluss noch ein Wort zu der "super" Pflanze Stevia. In meiner Gartenzeitschrift war dazu ein sehr interessanter Artikel (Flora Garten, Ausgabe 5/2009). Stevia rebaudiana ist eine in Südamerika beheimatete Pflanze, dessen Extrakt Steviosid angelich 300mal süßer ist als normaler Haushaltszucker und für den Körper nicht verwertbar ist, also weder den Blutzuckerspiegel erhöht noch Karies hervorruft. Angeblich ist dieses süße Kraut als Lebensmittel in der EU deshalb noch nicht zugelassen, weil die europäische Zuckerrübenlobby die Zulassung bremst. Ist aber Stevia so viel besser? Man könnte diese Pflanze ja auch in seinem eigenen Garten anbauen. Das wäre dann aber eine nicht heimische Pflanze in meinem Garten, aber zumindest erlaubt. Die getrockneten Blätter dieser Pflanze ließen sich Teemischungen beifügen (wer unbedingt gesüßten Tee braucht) oder sicherlich zerkrümelt bei Süßspeisen einsetzen. So verwendet könnte es tatsächlich eine Alternative zum Haushaltszucker sein.
Der Verkauf von dem Extrakt ist in der EU (noch) verboten, geschieht aber unter der Hand wohl trotzdem. Mal davon abgesehen, dass das illegal ist, handelt es sich auch hier leider um ein zwar aus einer natürlichen Pflanze aber chemisch hergestelltes Pulver (oder wie sonst wird das Pülverchen mit der wunderbar "unschuldigen" weißen Farbe wohl hergestellt?). Ich nehme mal an, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis das süße Pulver Stevia legalisiert wird und zu einem erhöhten Preis (vermutlich von der Zuckerindurstrie) als "gesunde Alternative zu Zucker" angeboten wird. Letztendlich ist es dann auch nur noch ein industriell abgewertetes Produkt. Passt dann auch nicht mehr zu einem einfachen Lebensstil!
Wer sich mit dem Thema Fabrikzucker kritisch auseinandersetzen will, dem empfehle ich das Buch "Zucker Zucker" von M.O. Bruker, erschienen im EMU Verlag. Der Schreibstil des inzwischen verstorbenen Autors ist eher unkonventionell und manchmal auch ein wenig polemisch. Das Buch ist aber auf jeden Fall sehr lesenswert!
Ob man Fabrikzucker wirklich konsequent vermeiden kann, ist in der heutigen Zeit sicherlich nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich. Vielleicht ist es zumindest ein Versuch wert, sich damit mal etwas kritischer auseinanderzusetzen und seine Essgewohnheiten zu überdenken.
Samstag, 25. April 2009
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